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WHO verlängert Jahr der Pflegenden und Hebammen bis 2021

Es ist als sehr positives Signal zu bewerten, dass die WHO das Jahr der Pflegenden und Hebammen in 2021 verlängern wird. Die Corona-Pandemie hat deutlich gezeigt, wie wichtig ein leistungsfähiges Gesundheitswesen und wie wertvoll die Arbeit der Beschäftigten dort für das Allgemeinwohl ist. Es wurde ja auch schon ausgiebig applaudiert. Leider ist darüber hinaus nicht viel passiert.

Nach längeren, bemühten Debatten stellt der Bund nun den Krankenhäusern ein paar Millionen zur Verfügung, die diese nach eigenem Ermessen an die verdienstvollen Pflegekräfte verteilen dürfen. Tausend Euro sollen bei den einzelnen Mitarbeitenden wohl ankommen. Das kann man als nette Geste gelten lassen, löst aber die Probleme Pflegenotstand und Hebammenmangel nicht. Statt grundsätzlich höhere Gehälter für die Berufe zu zahlen, die für unsere Gesellschaft unverzichtbar sind, wirbt man lieber Pflegekräfte aus Übersee oder Osteuropa an, die mit den niedrigen Gehältern hier, sich in der Heimat eine gute Existenz aufbauen können. Diese Menschen zahlen dafür einen hohen Preis. Sind sie doch monatelang getrennt von ihrer Familie und ihrem zuhause. Zudem fehlen sie als Fachkräfte in ihren Herkunftsländern.

Der Krankenhauskonzern Asklepios, bekannt für seine schlechte Vergütung der Pflegenden und Hebammen, unterhält gar eine eigene Abteilung Auslandsakquise Pflege. Im Uniklinikum Gießen begannen unlängst 22 Pflegende von den Philippinen ihre Arbeit. Sprachniveau B 2. Die Bewerberinnen und Bewerber wurden auf den Philippinen durch Social-Media-Kanäle und ortsansässige „Rekrutierer“ auf die Arbeitsangebote aus Deutschland aufmerksam gemacht.

Kolleginnen und Kollegen aus dem Ausland sollen herzlich willkommen sein! Aber es geht nicht, dass deren Einsatz verhindern soll, dass sich endlich etwas an den miserablen Arbeitsbedingungen sowohl im Pflege- wie im Hebammenwesen in Deutschland ändert. Das ist sicher auch nicht im Interesse unserer ausländischen Kolleginnen und Kollegen.

Nutzen wir das Jahr der Pflegenden und Hebammen, um weltweit gute Rahmenbedingungen zur Berufsausübung im Gesundheitswesen zu fordern, damit Menschen geholfen werden kann.

Bibliomed.Pflege vom 17.09.2020

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