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Corona macht LDT digital: Landesdelegiertentagung am heimischen Schreibtisch erfolgreich

Martina Klenk, 1. Vorsitzende des Landesverbandes der Hessischen Hebammen, fasst zusammen: „Die Coronakrise führt einerseits zur Entschleunigung vieler Prozesse in unserem Land, beschleunigt aber manches andere. Die Landesdelegiertentagung des Landesverbandes der Hessischen Hebammen e.V. fand nicht, wie geplant als Zusammenkunft in Bad Vilbel statt, sondern per Videokonferenz vom jeweiligen heimischen Schreibtisch aus. Die Bereitschaft der Hebammen sich so schnell mit der digitalen Konferenzvariante auseinanderzusetzen und sie zu benutzen war groß. Gerade jetzt ist der Wunsch nach Austausch besonders intensiv.

mangelhafte Versorgung mit Schutzmitteln gegen Corona

Die Kreissprecherinnen berichteten über die Versorgungslage in ihren Kreisen. Das größte Problem ist, wie überall, fehlende Schutzkleidung, Atemschutzmasken und Desinfektionsmittel. Eigentlich unvorstellbar in einem Land wie Deutschland. Makaber, dass wir nun ausgerechnet aus China diese Materialien beziehen müssen. Die Schattenseiten der Globalisierung, der Effizienzpolitik und der Billigheimerei treten nun in der Krise deutlich zum Vorschein. Das Gesundheitswesen ächzt schon lange. Zu lange hat man drüber hinweg gehört.

Geht nicht: Geburt ohne Begleitperson

Das Verbot mancher hessischer Kliniken, Väter oder eine andere Begleitperson in den Kreißsaal zu Geburten hinzuzulassen, verunsichert die werdenden Eltern, löst Ängste bei den Schwangeren aus und wird von Elterninitiativen scharf kritisiert. Bei allem Verständnis für die Vorsichtsmaßnahmen der Krankenhäuser sollten diese doch bedenken, wie wichtig die Anwesenheit einer vertrauten Person für die Kreißende ist. Kaum eine Hebamme in der Klinik kann eine kontinuierliche Betreuung während der Geburt gewährleisten. So gerne sie das auch täte. Dafür ist die Arbeitsbelastung zu hoch. Die Besucherströme zu reglementieren, ist richtig. Aber die Geburt ist ein einzigartiges Lebensereignis, welches die Frau mit Unterstützung einer vertrauten Person und professioneller Hilfe am besten bewältigt. 

Die Coronakrise überlagert zurzeit alle anderen Themen. Die für Ende März geplante Beiratssitzung Hebammenversorgung im HMSI wurde auf einen bislang noch nicht bestimmten Termin verschoben. Für den 12. Mai 2020 wurde mir ein Termin mit der Ministerin für Wissenschaft und Kunst. Angela Dorn, zugesichert. Es geht um die Umsetzung der hochschulischen Hebammenausbildung. Er ist in Vorbereitung. Ob er stattfindet, wird sich zeigen. 

Finanzielle Hilfen in Zeiten von Corona

Natürlich waren auch die finanziellen Verluste, die Hebammen wegen der Seuche haben, ein Thema der Tagung. Finanzielle Hilfen können seit gestern beim Regierungspräsidium Kassel beantragt werden unter https://wirtschaft.hessen.de/wirtschaft/corona-info/soforthilfe-fuer-selbststaendige-freiberufler-und-kleine-betriebe Ich hatte in der letzten Woche alle Kreissprecherinnen in einer Rundmail darüber informiert. Die Soforthilfe soll Liquiditätsengpässe beheben. Rücklagen sollen aktuell nicht mitberechnet werden. 

Ammely vermittelt Hebammenleistungen

Nicht nur in Coronazeiten ist ein digitales Tool für die Anfragenverwaltung zwischen Hebammen und Frauen sehr nützlich. Die zentrale Plattform ammely.de vermittelt schnell gewünschte Hebammenleistungen. Hebammen können dort ihr Profil erstellen. Anmelden können Sie sich unter: www.ammely.de/hebammen/signup Die Plattform beruht auf einer Kooperation zwischen dem DHV und der Keleya Digital-Health Solutions GmbH. 

Die Nutzung digitaler Medien bekommt wegen des „physical distancing“ aufgrund der Seuche einen enormen Schub. Auch wir Hebammen sind nun froh, mittels Videotelefonie Frauen und Familien, wenn auch eingeschränkt, betreuen zu können. Trotzdem merken wir, dass wir auch schnell an die Grenzen dieser Technologie kommen. Wie lässt sich mittels Kamera verlässlich die Hautfarbe des Neugeborenen bestimmen? Und den Uterus kann ich virtuell nicht tasten. Die analoge Betreuung lässt sich nur in Teilen ersetzen. Hoffen wir, dass die Coronapandemie bald ein Ende findet.“

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